Teil 2: Als MusikerIn musst du dir einfach abgewöhnen jeden Tag zu essen!

Titelbild des Blogartikels Teil 2: Als MusikerIn musst du dir einfach abgewöhnen jeden Tag zu essen!

Überleben und so….

Das (Über)leben als MusikerIn oder MusiklehrerIn ist nicht immer einfach. Klar geworden ist mir das spätestens bei einem Spaziergang mit einem Freund, durch einen schönen Park um die Ecke des Konservatoriums in dem ich studiert habe.

Er hat mir erzählt, dass er einmal eines seiner Vorbilder gefragt hat wie er das damals, nach seinem Musikstudium mit dem Überleben als Musiker so gemacht hat. Seine Antwort darauf war: “Du musst dir einfach abgewöhnen jeden Tag zu essen!”.

Ich hab das damals echt witzig gefunden. Viel hab ich aber nicht weiter darüber nachgedacht, weil mir nicht so wirklich klar war, dass zum Erfolg mehr gehört als einfach nur sein Instrument gut zu spielen.

Erfolg kann man ja unterschiedlich und situationsabhängig immer wieder neu definieren. Für viele bedeutet Erfolg, wenn man sich direkt am Morgen mit einer gelungenen Sitzung am WC erleichtert hat. Andere fühlen Erfolg wenn man endlich einen Serienmarathon beendet und sämtlichen Vorrat an Naschsachen vernichtet hat.

Erfolg definiert sich unterschiedlich und jeden Tag aufs neue. Das weiß jeder der sich ein bisschen mit dem Coaching des eigenen Lebens auseinandergesetzt hat (Buchempfehlungen folgen unten). In diesem Artikel definiere ich Erfolg mit der Umwandlung der eigenen Fähigkeiten in die Finanzierung der Lebenshaltungskosten.

Um endlich zum Punkt zu kommen….

Ok, ok….ich bin gleich fertig….also geht es in dem Artikel jetzt darum wie man sich jeden Tag etwas zu essen kaufen kann? Nicht ganz. Obwohl man mit einer regelmäßigen Nahrungsaufnahme sicherlich mehr von den oben erwähnten morgendlichen Erfolgserlebnissen erfährt.

Aber nein -  Ich gebe zu, dass ich den Artikel mit diesem Titel ein wenig dramatisiert habe. Ich will damit auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen. Nämlich, dass man auch als selbstständige(r) MusiklehrerIn und/oder MusikerIn ein Recht auf Urlaub, ein Auto, einen Geschirrspüler, Krankenstand, Ersparnisse, legale Arbeit ein vernünftiges Einkommen und noch mehr hat.

In unserer Gesellschaft wird Gewinn und Geld oft so negativ bewertet, dabei sollte man kein schlechtes Gewissen haben, wenn man für seine Leistung ordnungsgemäß bezahlt wird, oder? Wie viele Jahre investiert ein Profi Musiker in seine musikalische Ausbildung? Wie viel Übungszeit? All diese Jahre und der zusätzliche Aufwand zählt zu der Leistung, die man als MusiklehrerIn in einer Stunde anbietet.

Überlege zuerst wie viel Geld du brauchst und erst danach wie du es verdienen kannst. Warte nicht darauf, dass es irgendwann einfach mehr wird.

Wenn du nicht weißt wie viel Geld du brauchst, dann kannst du auch keinen Plan erstellen der dich zu einem guten Einkommen führt. Das ist als wollte man von Wien nach Berlin gelangen ohne zu wissen, dass man nach Berlin möchte - oder so ähnlich. Zuerst sollte man also wissen wohin die Reise geht und dann kann man sich überlegen mit welchen Verkehrsmitteln man dorthin gelangt.

Und jetzt mal endlich zur Praxis - Ich möchte hier eine kleine Rechnung vorstellen, die meine Denkweise fundamental verändert hat. 

Gehen wir von einem anzustrebenden Netto Gehalt von € 1800 und 14 Monatsgehältern aus. Ich denke das ist ein guter Mittelwert und ein Gehalt von dem man gut leben kann. Was “gut leben” bedeutet und was ein guter Gehalt ist, muss aber letztendlich jeder für sich selbst definieren.

Der angenommene Gehalt entspricht einem Jahresnettoeinkommen von € 25.200. Der Bruttojahresgehalt müsste dann  (laut WKO Stundensatzrechner) € 41.217,24 sein. 

Um den nötigen Stundensatz dafür zu errechnen, müssen wir diesen Jahresgehalt durch die Anzahl deiner Arbeitsstunden pro Jahr dividieren. Dabei muss man als Selbstständige(r) bedenken, dass nicht alle 40 Wochenarbeitsstunden bezahlt sind.

Die bezahlten Arbeitsstunden nennt man im übrigen die “produktiven Stunden”. Man sagt, dass man als Selbstständige(r) etwa 50% der Stunden produktiv arbeiten kann und, dass der Rest in Vorbereitung, Buchhaltung, Organisation, Rechnung schreiben, Üben, Urlaub und Krankenstand verschwindet.

Gehen wir also davon aus, dass man 20h pro Woche produktiv (also bezahlt arbeiten kann). In Anbetracht dessen, dass wir als Musiklehrer mit unseren Arbeitszeiten an die Schulferien gebunden sind, ist auch die Anzahl unserer produktiven Wochen limitiert. Also gehen wir von 40 Arbeitswochen pro Jahr mit jeweils 20h Musikunterricht aus:

€ 41.217,24 / 40 Schulwochen / 20 Stunden = € 51,52/h

€ 51,52 pro Stunde. Das heißt, dass mein Service 51,52 €/Stunde kosten muss, wenn ich € 1800 Netto verdienen möchte.

WTF? Wer soll mir € 51,52/h zahlen?

Während meinem Studium und direkt danach habe ich für € 30/h, manchmal sogar für € 20/h unterrichtet. Dabei habe ich recherchiert was andere LehrerInnen so privat verlangen und mich ganz einfach angepasst ohne viel weiter darüber nachzudenken.

Wie ich mir zum ersten Mal die oben stehende Rechnung angesehen habe dachte ich, dass ich niemals für € 50/h unterrichten könnte weil niemand dafür zu zahlen bereit wäre und, dass meine Zukunft in diesem Beruf im Vorhinein zum Scheitern verurteilt ist.

Und um am Boden der Realität zu bleiben: Ein solches Honorar erhält man ganz bestimmt nicht mit einem einfachen Inserat und jede(r) die das schon versucht hat weiß das auch. Also wohin soll das ganze jetzt führen?

Ich möchte noch einmal an den Gedanken erinnern, dass man sich zuerst überlegen sollte wie viel Geld man braucht und dann nachdenken wie man das realisieren kann. Statt der Vorstellung, dass etwas niemals funktionieren wird, empfehle ich lieber zu überlegen wie man etwas dazu bringen kann, dass es funktioniert.

Ich möchte im nächsten Artikel gerne auf konkrete Vorschläge eingehen mit denen man sich einen höheren Stundensatz erarbeiten kann um auch als Musiker stabil im Leben zu stehen.

Mein versprochener heißer Buchtipp zum Thema Produktivität und Coaching für das eigene Leben ist: The One Thing - von Gary Keller. (Ich gebe zu, es ist ein affiliate link - würde es aber nicht teilen, wenn es nicht so unglaublich gut wäre :-))

Dieses Buch ist für Menschen die in kürzerer Zeit weiter kommen möchten. Das funktioniert indem man sich Prioritäten setzt, sich nicht ablenken lässt und nur eine einzige Sache konzentriert die momentan am wichtigsten ist.

Es geht darum mehr zu erreichen und gleichzeitig weniger zu arbeiten. Das Buch hat mein Leben, meine Denkweise und meine Tagesplanung verändert und ich empfehle es nahezu jedem Menschen weiter den ich treffe.

Vor allem Musikern kann ich einen Leitfaden wie diesen stark empfehlen, da wir als Musiker mit einer besseren Produktivität vor allem auch am Instrument wesentlich schneller vorankommen und zu besseren Musikern werden.

Danke fürs Lesen bis hierher und bis zum nächsten Artikel,

Zum vorigen Teil

Zum nächsten Teil

Christian


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Lena-Maria Heinzle, Author dieses Artikels

Über Lena-Maria Heinzle

Ich habe seit meiner Jugend Unterrichtserfahrung in Klavier, Gitarre, Blockflöte, Violine und Gesang gesammelt. Musik ist also mehr als ein Hobby für mich. In meinem Publizistikstudium konnte ich außerdem mein großes Interesse an Medien weiter ausbauen. Bei Lessondo bin ich darum für Social Media und den Blog verantwortlich und kann dort meine Ideen in kreativen Content umwandeln.


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