3. Teil: Ich finde jemanden, der es billiger macht - Preisdruck für MusikerlehrerInnen

Titelbild des Blogartikels 3. Teil: Ich finde jemanden, der es billiger macht - Preisdruck für MusikerlehrerInnen

    Einleitung

    Es war ein sonniger Sonntag Nachmittag, an dem ich ein Haus besichtigt habe, dass ich mir selbst ohnehin nicht leisten konnte. Direkt nach der Besichtigung, bin ich mit meinem, damals selbst erwählten Mentor in einem Cafe gesessen und habe darüber gesprochen, wie ich als Musiker jemals stabil auf eigenen Beinen stehen und ein Haus kaufen könnte. 

    Ich war von einer  - “werde berühmt oder stirb!” - Mentalität geprägt. Ich habe begonnen, mich zu beklagen (etwas, in dem wir Millennials anscheinend absolute Profis sind) und habe mich darüber beschwert, dass das (Über)leben als Musiker sehr schwer ist. Ich dachte, wer von Musik richtig gut Leben möchte, der muss berühmt werden oder eine Anstellung in einer öffentlichen Musikschule erhalten und dass es anders nicht funktionieren wird. 

    Während dem Musikstudium wird man schließlich nicht auf die Selbstständigkeit vorbereitet. Man geht davon aus, dass man eine Stelle in einer Musikschule erhält und damit ist dann alles gut. Dass aber jedes Jahr wesentlich mehr Studenten ein Musikstudium abschließen, als es freie Stellen an öffentlichen Musikschulen gibt, wird dabei scheinbar ignoriert. 

    Man wird nicht darauf vorbereitet, dass man als MusikerIn eigentlich ein Unternehmen gründen muss. Auch wenn es “nur” ein Einzelunternehmen ist.

    Hast du während deinem Musikstudium auch nur ein einziges mal etwas über Marketing, Sales, Rücklagen, Vorsorge, Steuererklärung, etc. gehört? Ich nicht. Es ist also kein Wunder, wenn der Start mal nicht ganz glatt von der Reihe geht und, dass sich viele MusikerInnen damit überfordert fühlen. Mein Wunsch ist es, mit dieser Blog Reihe ein bisschen mehr Leichtigkeit und Klarheit in die Sache zu bringen.

    Mein selbst erwählter Mentor hat mir gesagt, dass ich ein Musikbusiness genauso aufbauen kann, wie eine Mechanikerwerkstatt. Meine erste Reaktion auf diese Aussage war pure Ablehnung, weil ich als Musiker schon mal prinzipiell nichts von “Business” wissen wollte und auch der festen Überzeugung war, dass es für uns MusikerInnen prinzipiell ganz anders funktioniert. Eine echte Beleidigung für mein Millennial Herz. Ich wollte lieber die Branche dafür verantwortlich machen, anstatt mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

    Also habe ich im genervten Ton nachgefragt: “Wie meinst du das?”. Seine Antwort war: “Ich meine, dass man sich immer zuerst überlegen muss, wie viel Geld man braucht und dann überlegen sollte, wie man es erwirtschaften kann.” Nach längerem Nachdenken, bin ich dann ein paar Wochen später zu dem Entschluss gekommen, dass mein Unterricht €50/h kosten muss. Wie ich zu diesem Ergebnis gekommen bin, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

    Mein Unterricht hat zu dieser Zeit etwa €20/h - €30/h gekostet. Also fast die Hälfte von dem was es (für meine persönliche Entscheidung) eigentlich kosten sollte. Würde ich die Preise jetzt auf €50/h anheben, dann wären alle SchülerInnen weg und ich stünde ohne Arbeit da.

    Also habe ich gefragt wie er sich das vorstellt. Ich meine, jetzt hab ich zwar gewusst was ich gerne pro Stunde verdienen würde, war aber weit davon entfernt, zu wissen wie ich das umsetzen sollte.

    Seine Antwort auf meine Frage, wie das funktionieren solle war: “Erhöhe deine Preise ab nächstem Semester auf €50/h. Ein Teil deiner SchülerInnen wird gehen, ein anderer Teil wird bleiben. Dann verdienst du das gleiche wie vorher, unterrichtest aber nur die Hälfte der Stunden und hast mehr Zeit für Kreativität”. 

    Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Methode wirklich einem Sprung ins Kalte Wasser gleicht und, dass ich sie niemandem in dieser Form empfehlen würde. Zwar hat es bei mir ganz genauso funktioniert wie vorhergesagt, aber ich denke, dass das reines Glück war und auch damit enden hätte können, dass ich gar keine Schüler mehr hätte.

    Im Folgenden möchte ich daher auf ein paar sanftere und wirksamere Methoden eingehen, mit denen man sich einen besseren Stundensatz erarbeiten kann. Diese Methoden sind nachhaltig und brauchen daher auch Zeit in der Umsetzung

    In den meisten Fällen wird es keine sofortige Verbesserung des Einkommens herbeiführen. Was du aber sofort verändern kannst, sind deine Methoden, deine Denkweise und deine Strategie. Und langfristig stehen die Chancen sehr gut, dass du mit der Umsetzung dieser Strategien, möglicherweise bald sehr viel besser dastehst als jetzt. Nun zu den Strategien: 

    1. Auswahl der SchülerInnen

    Sei wählerisch bei zukünftigen KundInnen bzw. SchülerInnen und passe deine Preise zuerst nur für neue SchülerInnen an. Das schützt dich davor, deine aktuelle Situation zu verschlechtern, indem du SchülerInnen verlierst und gibt dir die Möglichkeit, besser zahlende SchülerInnen zu gewinnen

    Sobald du eine(n) besser zahlende SchülerIn hast, kannst du den Preis für eine(n) schlechter zahlende SchülerIn ohne Risiko anpassen. Wenn er/sie den neuen Preis akzeptiert, dann ist es wunderbar. Wenn nicht, dann hast du eine schlecht bezahlte Arbeitsstunde durch eine gut bezahlte ausgetauscht. Das ist ebenso eine Verbesserung. Ich spreche hier natürlich nicht von Ausbeutung, sondern von einem fairen Stundensatz, der dir ein stabiles Leben ermöglicht

    2. Vertrauen

    Baue einen starken Vertrauensfaktor und eine gute Beziehung zu deinen SchülerInnen auf. Versuche, dich von der Masse abzuheben und einen Mehrwert zu liefern der dich einzigartig macht. Bereite spezielle Unterrichtsmaterialien vor und lege größten Wert darauf, deine Schüler zu motivieren. 

    Wenn du es schaffst deine SchülerInnen besser zu motivieren als andere, dann haben sie einen Grund bei dir zu bleiben, auch wenn du deine Preise erhöhst. Du machst dich damit einzigartig und steigerst den Wert deiner eigenen Marke. Ihr gewinnt damit beide!

    3. Steigere deine Preise langsam.

    Du wirst wahrscheinlich kaum neue SchülerInnen finden, die bereit sind, von heute auf morgen €50/h zu zahlen. Das liegt daran, dass sie deinen Wert nicht kennen. Sie wissen noch nicht was dich so besonders macht und warum sie dir ein solches Honorar zahlen sollten, während sie das gleiche Instrument bei jemand anderem für den halben Preis lernen können. 

    Eine gute Methode wäre zum Beispiel zu sagen, dass man zwar €50/h kostet, aber dass das erste Jahr günstiger ist, um einander kennen zu lernen. SchülerInnen die einen solchen Preis im Vorhinein ablehnen kannst du damit bereits vermeiden, gibst anderen aber die Möglichkeit deinen Wert kennenzulernen und steigerst die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach einem Jahr bereit ist, für deinen Unterricht einen angemessenen Betrag zu bezahlen. Den Zeitraum kannst du beliebig wählen und damit experimentieren.

    4. Content Marketing

    Nutze “Content Marketing” um deinen Mehrwert gleich zu Beginn zu vermitteln. Content Marketing bedeutet, Inhalte bereit zu stellen, die einen echten Mehrwert bieten. Du vermittelst damit Know-How, Sympathie und Einzigartigkeit. 

    Der Mehrwert deiner Inhalte unterscheidet dich von anderen LehrerInnen. Du baust damit eine Beziehung auf, schon bevor euer erster Unterricht begonnen hat. Das ist ein ganz klarer Grund, um für deinen Service mehr zu bezahlen. Ich möchte in einem weiteren Artikel noch speziell auf dieses Thema eingehen, weil ich denke, dass es eine der wirksamsten und wichtigsten Methoden ist, um als selbstständige(r) MusiklehrerIn ein stabileres Einkommen zu erwirtschaften. Beispiele für Content Marketing sind Youtube Tutorials, Music Sheets von aktuellen Hits, PDF Leitfäden für Anfänger, etc….

    5. Stundenzahl reduzieren und gleichzeitig den gleichen Wert liefern

    Vermittle deinen SchülerInnen die Idee, die Zahl ihrer Unterrichtseinheiten zu halbieren. Nehmen wir an, dass einer deiner Schüler bis jetzt jede Woche € 25/h bezahlt hat. Dann hat ihn dein Unterricht etwa €100/Monat gekostet. Wenn er ab sofort nur mehr jede zweite Woche kommt und €50/h bezahlt, dann kommt er ebenfalls auf €100/Monat. 

    Er muss also nicht mehr Geld bezahlen, obwohl dein Unterricht ab sofort das doppelte kostet. Für diesen Schüler entsteht jetzt natürlich eine Lücke in der Leistung, die er dafür erhält. Wenn du es schaffst diese Lücke auszugleichen, dann wird jeder zufrieden sein. Du kannst die Lücke auf verschiedene Art und Weise ausgleichen:

    Möglicherweise ist deine Beziehung zu ihm und dein offensichtlicher Mehrwert so stark, dass das an sich schon ausreicht. Möglicherweise braucht es ein bisschen mehr dafür - eine gute Möglichkeit auch hierfür wäre content Marketing

    Du könntest ihm also, zusätzlich zu deiner Leistung, digitale Inhalte anbieten. Zum Beispiel Video Tutorials, die du einmalig für all deine SchülerInnen vorbereitest. Dann kann dein Schüler alle zwei Wochen zu dir in den Unterricht kommen und jede zweite Woche von Zuhause mit deinem Video Tutorial üben.

    6. Gruppenunterricht

    Versuche dich in Gruppenunterricht. Wenn du €50/h verdienen möchtest, kannst du 4 Leute für eine Gruppe finden von denen jede(r) einen sehr geringen Beitrag zahlt und du steigst trotzdem mit einem angemessenen Stundensatz aus. Du könntest eventuell auch regelmäßige Workshops anbieten und versuchen, mit viel mehr Menschen zu arbeiten.

    7. Social Proof

    Social Proof. Nichts ist stärker als Social Proof! Falls du noch nie von diesem Begriff gehört hast: Er bedeutet, dass du durch die Meinung und Aussagen anderer, deine Qualität unter Beweis stellen kannst

    Wenn du einem Schüler von einem anderen Schüler weiterempfohlen wirst, dann ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass derjenige deinen Service buchen wird. Warum? Weil er darauf vertraut, dass er von dir bekommt was er sich erwartet. Vertrauen ist der allerwichtigste Faktor bei der suche nach neuen KundInnen/SchülerInnen. 

    Heutzutage gibt es die Möglichkeit, deinen Service von anderen online bewerten zu lassen. Der online Fachbegriff dafür lautet: “Testimonial”. Du kannst Testimonials auf deiner Facebook Seite, bei Google oder auch bei uns mit einem Lessondo Profil sammeln.

    Wichtig dabei ist, dass die Testimonials zeitnah erstellt wurden, also nicht Jahre alt sind. Je mehr positive Testimonials du in deinem Profil zeigen kannst, desto mehr Vertrauen schenken dir neue SchülerInnen. Daher möchten wir Musiklehrer von Lessondo auch dazu animieren, möglichst viele SchülerInnen dazu einzuladen, eine kostenlose Bewertung abzugeben.

    Das sind meine 7 Tipps um sich Stück für Stück einen besseren Stundensatz als MusiklehrerIn zu erarbeiten und damit ein nachhaltiges Leben als MusikerIn/MusiklehrerIn zu ermöglichen. Sicherlich funktioniert nicht jeder Tipp für jede Person, aber ich bin sicher, dass ein paar der unterschiedlichen Tipps auf unterschiedliche Ausgangssituationen anwendbar sind.

    Danke fürs Lesen bis hierher und bis zum nächsten Artikel,

    Zum vorigen Teil

    Ich freu mich,

    Euer Christian


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    Lena-Maria Heinzle, Author dieses Artikels

    Über Lena-Maria Heinzle

    Ich habe seit meiner Jugend Unterrichtserfahrung in Klavier, Gitarre, Blockflöte, Violine und Gesang gesammelt. Musik ist also mehr als ein Hobby für mich. In meinem Publizistikstudium konnte ich außerdem mein großes Interesse an Medien weiter ausbauen. Bei Lessondo bin ich darum für Social Media und den Blog verantwortlich und kann dort meine Ideen in kreativen Content umwandeln.


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